Die Ulu Camii (Große Moschee) in Bursa ist weit mehr als ein religiöses Bauwerk – sie ist ein architektonisches Meisterwerk der frühen Osmanenzeit, ein lebendiges Museum islamischer Kalligrafie und Zeuge von über 600 Jahren Geschichte. Das einzigartige Konzept mit 20 Kuppeln entstand nach dem Sieg Sultan Bayezids I. bei Nikopolis 1396, als er versprach, „eine Moschee mit 20 Kuppeln statt 20 einzelner Moscheen“ zu errichten. Heute gehört die Ulu Camii zu den größten Innenräumen unter Moscheen in der Türkei und ist Teil des UNESCO-Weltkulturerbes.
Dieser ausführliche Reiseführer richtet sich an deutschsprachige Kulturreisende, Reiseleiter und Bursa-Besucher, die mehr über die architektonischen Besonderheiten, die Kapazität, Kalligrafie-Schätze, die berühmte Holzkanzel (Minber) und aktuelle Besuchsinformationen erfahren möchten.
Geschichte: Vom Schlachtsieg zur Architektur
Sultan Yıldırım Bayezid I. gelobte nach seinem Sieg in der Schlacht von Nikopolis (1396) den Bau einer großen Moschee in Bursa. Ursprünglich waren 20 separate Moscheen geplant, doch nach seiner Rückkehr entschied er sich für ein monumentales Einzelgebäude mit 20 Kuppeln. Der Bau wurde zwischen 1396 und 1400 vollendet.
Das erste Freitagsgebet leitete der legendäre Mystiker Somuncu Baba. Unter den Gläubigen befanden sich Sultan Bayezid selbst, der Gelehrte Molla Fenari und der Heilige Emir Sultan – ein spiritueller Gründungsmoment, der die Moschee bis heute prägt.
Die Ulu Camii wurde zum Symbol der ersten osmanischen Hauptstadt Bursa. Nach schweren Schäden durch das Erdbeben von 1855 wurde sie mehrfach restauriert. Heute ist sie das Herzstück der historischen Basar- und Karawanserei-Region von Bursa, die zum UNESCO-Welterbe gehört.

Architektur: 20 Kuppeln und monumentaler Innenraum
Die Bursa Ulu Camii ist ein herausragendes Beispiel früher osmanischer Architektur. Der rechteckige Grundriss misst 55 x 69 Meter, die Gesamtfläche beträgt rund 3.165 m². 20 Kuppeln ruhen auf 12 massiven quadratischen Pfeilern, angeordnet in fünf Reihen. Die mittlere Kuppel ist erhöht und war historisch offen (heute verglast), wodurch natürliches Licht in den Raum fällt.
Die Moschee verfügt über einen Haupteingang an der Nordfront und Seiteneingänge im Osten und Westen. Zwei Minarette flankieren das Bauwerk, wobei das östliche Minarett aus späterer Zeit stammt.
Dieses Mehr-Pfeiler-Mehr-Kuppel-System bildet eine architektonische Brücke zwischen seldschukischer Tradition und osmanischer Innovation. Das Lichtspiel und die räumliche Weite beeindrucken Besucher unmittelbar beim Betreten.
Kapazität der Ulu Camii Bursa: Die Moschee kann gleichzeitig 5.000 bis 7.000 Gläubige aufnehmen – eine der größten Gebetskapazitäten in der Türkei. Besonders bei Freitagsgebeten und Feiertagen ist die Moschee gut gefüllt. Für Gruppenreisen ist diese Kapazität ein wichtiger Planungsfaktor.

Kunstschätze: Kalligrafie-Museum und handgefertigte Holzkanzel
Die Ulu Camii ist ein lebendiges Museum islamischer Kalligrafie. An Wänden und als hängende Tafeln präsentiert sie insgesamt 192 kalligrafische Kunstwerke in 13 verschiedenen Schriftstilen, geschaffen von 41 Kalligrafen. Darunter befinden sich monumentale Schriftzüge von „Allah“, „Muhammad“ und Koranversen.
Die Kündekâri-Kanzel (Minber)
Ein Highlight ist die kunstvolle Holzkanzel (Minber), gefertigt aus Walnussholz nach der Technik kündekâri – ohne einen einzigen Nagel, nur durch geometrisches Verzahnen der Teile. Der Meister Hacı Abdülaziz Mehmed schuf dieses Meisterwerk, das zu den bedeutendsten Beispielen seldschukisch-osmanischer Holzhandwerkskunst zählt.
Die geometrischen Muster und floralen Ornamente der Kanzel faszinieren seit Jahrhunderten. Einige Forscher sehen in den Motiven kosmische Symbole (etwa Anordnungen, die an das Sonnensystem erinnern), während die allgemeine Auffassung diese als klassische Muster islamischer Kunst betrachtet.
Der zentrale Brunnen (Şadırvan)
Unter der erhöhten mittleren Kuppel befindet sich ein traditioneller Brunnen, der nicht nur architektonische Balance schafft, sondern auch für Kühle und Atmosphäre sorgt.

Besuchsinformationen für deutsche Reisende
Öffnungszeiten: Die Moschee ist täglich vom Morgengebet bis zum Nachtgebet zugänglich, in der Regel 05:00 – 23:00 Uhr. Während der Gebetszeiten sollten Besucher Rücksicht auf Betende nehmen. Die ruhigsten Besuchszeiten sind früh morgens und nach dem Nachmittagsgebet.
Eintritt: Kostenfrei. Schuhe müssen ausgezogen werden (Überschuhe werden bereitgestellt). Für Besucherinnen wird ein Kopftuch und bedeckte Kleidung empfohlen (kann vor Ort geliehen werden).
Anreise: Die Moschee liegt zentral an der Atatürk Caddesi in Bursa. Erreichbar mit:
- Metro: Haltestelle Ulucami
- Minibus: Diverse Linien halten in der Nähe
- Zu Fuß: Im historischen Zentrum, nahe Koza Han, Bedesten und Orhan Gazi Moschee
Fotografie-Tipps:
- Morgens: Details der Holzkanzel und des Brunnens im Licht
- Kuppeln und Kalligrafie-Tafeln aus niedrigen Winkeln
- Außenansicht: 20-Kuppel-Silhouette bei Sonnenuntergang
Barrierefreiheit: Rampen und Aufzug für mobilitätseingeschränkte Besucher sind begrenzt vorhanden – bei Gruppenreisen vorher informieren.
Empfehlungen für Reiseleiter und Kulturreisende
Die Ulu Camii bietet hervorragende Möglichkeiten für kulturhistorisches Storytelling:
- Historischer Einstieg: Die Schlacht von Nikopolis und das Gelübde Bayezids I.
- Architektonische Besonderheit: Die 20-Kuppel-Legende und der Übergang von seldschukischer zu osmanischer Baukunst
- Kalligrafie-Highlight: Präsentation als „lebendiges Museum“ mit 192 Kunstwerken
- Handwerkskunst: Detaillierte Erklärung der nagelfreien Holzkanzel und der Meistersignatur
Empfohlene Tagesroute durch Bursa: Ulu Camii → Koza Han (Seidenbasar) → Bedesten → Emir Sultan Türbesi → Yeşil Camii und Yeşil Türbe (Grüne Moschee und Mausoleum)
Gruppen-Tipp: Freitags und an Feiertagen kann es voll werden. Frühmorgendliche oder nachmittägliche Touren sind entspannter und ermöglichen bessere Erlebnisse für Reisegruppen.
Bursa erleben: Mehr als Architektur
Die Bursa Ulu Camii ist keine bloße Ansammlung von Stein und Kuppeln. Sie lässt den Glanz der frühen Osmanenzeit, die Finesse islamischer Kalligrafie und spirituelle Tiefe gleichzeitig erlebbar werden. Mit einer Kapazität von 5.000–7.000 Personen ist sie noch heute eine lebendige Gebetsstätte und zugleich ein unverzichtbarer Halt für Geschichts- und Kulturinteressierte.
Wenn Sie nach Bursa reisen, nehmen Sie sich Zeit. Spazieren Sie durch die Kuppelschatten, studieren Sie die Kalligrafietafeln, betrachten Sie die Handwerkskunst der Kanzel aus nächster Nähe. Vielleicht spüren Sie noch heute die Spiritualität, die Somuncu Baba einst in diesen weiten Raum brachte.